• Herbst 2020
  • Messe Wien

Sieben Maschinenbautrends, an denen niemand vorbeikommt

Ob Multiachs-Langdrehmaschine, selbstwartende Maschinen oder Greentech, aber auch Fachkräftemangel und Medizintechnik. 7 Trends, die unumgänglich sind. 

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Boomende Umwelttechnik: Fast sechs Billionen Euro Marktvolumen soll der globale Greentech-Markt bis 2025 erreichen. Einen Teil davon können auch Maschinenbauer lukrieren.

 

Trend Nummer 1: Noch mehr  Integration
Netzwerke lösen Stand-Alone-Maschinen ab

Der Trend zu Maschinen, die Arbeitsschritte integrieren können, wird sich verstärken. Auch in Bereichen, in denen Stand-Alone-Geräte noch gängig sind, steigt durch den Automatisierungsdruck der Wunsch nach multifunktionalen Maschinen, die in Netzwerken zusammenarbeiten. Das wiederum erfordert die Integration von Shop-Floor und den vor bzw. nachgelagerten Prozessen. Die Zukunftsvision ist jedenfalls eine Maschine, die möglichst viele Funktionalitäten ohne komplizierte Umrüstvorgänge erlaubt und die permanent Daten mit dem Lieferkettenmanagement und dem Verkauf austauscht. Und die sich im Rahmen von predictive maintenance auch selbst wartet.

 

Trend Nummer 2: Neue Materialien
Additive Verfahren befeuern die Suche nach ungewöhnlichen Werkstoffen

In unzähligen Branchen steigt der Druck zum Einsatz neuer Materialien. Leichtbau und der Wunsch nach Ressourcenschonung treiben diese Entwicklung massiv voran. Für Maschinenbauer ergibt das eine große Chance. Denn ungewöhnliche  Materialien brauchen oft auch spezielle Bearbeitungsverfahren. Wer sie anbieten kann, hat einen deutlichen Vorteil vor der Konkurrenz. Neue Bearbeitungsmethoden erlauben es aber auch, aktiv nach neuen Werkstoffen zu suchen. Mit LMD-Schweißen zum Beispiel, einem additiven Verfahren, können durch die Verwendung von mehreren Pulverfördern neue Legierungen relativ einfach entwickelt und getestet werden. Als potentielle Anwender gelten unter anderem Luftfahrt und Automobilindustrie.

 

Trend Nummer 3: Lange Latten
Mulitachs-Langdrehmaschinen setzen sich durch.

In Österreich ist der Trend noch nicht ganz angekommen. Doch in vielen Branchen werden die Vorteile von Mulitachs- Langdrehmaschinen gegenüber Revolverdrehmaschinen immer offensichtlicher. Bis zu einem Durchmesser von 42 Millimeter, sagen Experten, kann mit Langdrehmaschinen fast jedes Werkstück schneller und präziser gefertigt werden als mit Revolverdrehmaschinen. Was ebenfalls für die Langdrehautomaten spricht, sind die inzwischen erreichten Optimierungen der Nebenzeiten. Dass Lohnfertiger in Europa in Zukunft noch stärker als bisher auf die Produktion von  hochwertigen Präzisionsteilen setzen werden, während einfache Tätigkeiten weiter nach Asien abwandern, fördert den Trend zum Langdreher zusätzlich.

 

Trend Nummer 4: Zukunftsbranche Medizintechnik
Im Med-Tech Bereich lohnt sich für Maschinenbauer ein langer Atem.

Die anstehende Trendwende in der Antriebstechnologie macht die Geschäftsplanung für Maschinenbauer im Moment nicht gerade einfach. Vor allem die Zulieferer der Automobilindustrie warten ab und schaffen nur jene Maschinen an, die unbedingt nötig sind. Die vom Corona-Virsus verlangsamte Entwicklung in China tut ihr Übriges dazu – schließlich wird heute ungefähr jedes dritte Auto in China produziert. Demgegenüber stehen aber Chancen in anderen Sektoren, unter anderem in der Medizintechnik. Das gilt ganz besonders für Werkzeugmaschinenbauer aus Technologieführer-Ländern wie Österreich oder Deutschland. Der Einstieg in den Med-Tech-Bereich braucht zwar Zeit und Investitionen, dafür sind Kunden aus diesem Sektor für gewöhnlich aber sehr treu: Sobald ein Prozess zertifiziert ist, wechseln sie, auch aus Kostengründen, nur selten wieder den Maschinenhersteller.

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Boomende Medizintechnik: Der Einstieg in den Med-Tech-Bereich braucht zwar Zeit und Investitionen, dafür sind Kunden aus diesem Sektor für gewöhnlich aber sehr treu.

 

Trend Nummer 5: Schlüsselfaktor Qualifizierung
Firmen müssen den Fachkräftemangel selbst lösen.

Auf der aktuellen Liste der Mangelberufe sind Techniker für den Maschinenbau unter Punkt zwölf gelistet, jene mit höherer Ausbildung sogar unter Punkt zwei. Der  ungedeckte Bedarf besteht bundesweit. Für Unternehmen aus der Branche bedeutet das: Employee Branding wird zu einem Kernfaktor, um im Wettbewerb um die wenigen guten Leute, die es auf dem Markt gibt, zu punkten. So gut wie alle erfolgreichen Unternehmen investieren außerdem massiv in die interne Qualifizierung von Mitarbeitern. Geht es um Recruiting von Fachhochschul- oder Universitätsabsolventen, steigt außerdem die Tendenz, die entsprechenden Personen bereits in den letzten Semestern ihres Studiums anzuwerben, sie bei der Fertigstellung der Masterarbeit zu unterstützen und so an das Unternehmen zu binden.

 

Trend Nummer 6: Riesensummen warten
Maschinenbauer werden vom boomenden Umwelttechnikmarkt überproportional profitieren.

Fast sechs Billionen Euro Marktvolumen soll der globale Greentech-Markt bis 2025 erreichen. Einen Teil davon können auch Maschinenbauer lukrieren. Denn bei der Erreichung der Klimaziele werden energie- und ressourceneffiziente Maschinen eine große Rolle spielen. Schon heute hat der Maschinenbau mit rund zwanzig Prozent einen beträchtlichen Anteil am globalen Markt für  Umwelttechnik und Ressourceneffizienz. In Zukunft sollte es noch mehr werden, denn einerseits haben Schwellenländer einen großen Bedarf an modernen Maschinen, andererseits müssen  unter dem Druck der immer strengeren Umweltauflagen auch viele Maschinen in den Industriestaaten gegen neue, energieeffizientere Modelle ausgetauscht werden.

 

Trend Nummer 7: Eine neue Goldgrube
Maschinenbauer sollten die Daten ihrer  Kunden nützen.

Viele Maschinenbauer rüsten ihre Maschinen schon heute mit Sensoren aus, die unzählige Daten abgreifen können. Zu oft landen diese Daten aber noch in einem digitalen Nirwana. Wenn Maschinenbauer  sich den Zugriff auf die Daten der Maschinen, die bei ihren Kunden laufen, sichern, können sie indessen völlig neue Geschäftsformen etablieren: angefangen bei Mietmodellen, bei denen der Maschinenbauer die Wartung der Maschinen anhand der aktuellen Daten plant und durchführt, bis zu der Möglichkeit aus den Daten, die die Maschinen liefern, Hinweise auf etwaige Verbesserungsmöglichkeiten bei der nächsten Maschinengeneration abzuleiten. Und auch der Verkauf kann von den Daten profitieren: Zeigen die Daten eine hohe Auslastung an, könnte das zum Beispiel ein Anlass dafür sein, dem Kunden ein weiteres Gerät anzubieten.